verbranntes

Vincenzo Dei Leoni – 33 Eins 3 – Verbranntes

€9.90

Taschenbuch, 110 Seiten
ISBN: 978-3-944648-61-3
Preis: 9,90 Euro  inkl. MwSt., zuzüglich Versand

Produktbeschreibung

Taschenbuch, 110 Seiten, deutsche und englische Texte
ISBN: 978-3-944648-61-3
Preis: 9,90 Euro  inkl. MwSt., zuzüglich Versand

Soll ich mich vorstellen?
Hier schreiben, was ich schreibe?
Dann mache ich es auf meine Art und schreibe.
In diesem Buch geht es um Verbranntes, um Texte, die ich normalerweise verbrenne.

Es geht um Taten, Gefühle, verbannte Gedanken.
Viele, leider viele falsche Entscheidungen. Freunde, Familie und die Einsicht
zur Heimkehr.
Stolz, Ehre, Schmerz und Reue finden sich ebenfalls zwischen den Zeilen.
Mein Ende ist Autor, der Beweis ist hier.
„Fine prima parte“ ist nur der Beginn.

 

Wer ich bin?

Vincenzo. Oder doch Francesco?
Egal. Was euch interessiert ist, dass ich Hauptschüler bin, Ausländer.
In Italien geboren, aufgewachsen in Deutschland.
»Mafioso?«
»Nein.«
»Pizzabäcker?«
»Nein.«
»Ein Gigolo!«
»Seltsam – für Sex bezahlt zu werden? Auf den Gedanken bin ich noch gar nicht gekommen. Aber nein.«
Sind das die Sachen, die euch einfallen? Kann ein Hauptschüler nichts in seinem Leben erreichen? Meint ihr, wir besuchen die Hauptschule und vermeiden im weiteren Verlauf unseres Lebens jegliche Bildung? Seid ihr enttäuscht, dass wir doch nicht das sind, was ihr dachtet, was wir wären? Interessiert euch eigentlich unsere Geschichte? Wer wir sind? Warum wir so sind und was wir waren? Wo wir herkommen, was wir erlebt haben und was wir fühlen und träumen? Verkraftet ihr die Wahrheit? Wollt ihr das wirklich wissen?
»Ich bin Autor. Das hätten Sie jetzt wohl nicht gedacht, was? Schon immer. Schon als Kind habe ich Bücher gelesen, wenn ich konnte, wenn es die Umstände zuließen. Habe meine eigenen Bücher geschrieben, mir meine eigene Welt erschaffen. Irgendwann hatte ich keine Zeit mehr zum Schreiben – aber jetzt muss es wieder sein.«
»Du schreibst? Bücher? Worüber solltest du ein Buch schreiben können?«
»Lesen Sie es. Sagen Sie mir, was Sie davon halten, ob man es versteht, ob ich es so schreiben kann, einfach mal ein Feedback geben. Warum ich Sie darum bitte? Naja, weil Sie ehrlich gesagt, einer der intelligentesten Menschen sind, die ich kenne. Ich denke, Sie haben mehr gelesen als ich, kennen Rechtschreibung und Grammatik. Ihre Meinung ist mir wichtig.«
Er blättert lustlos die ersten Seiten durch, überfliegt etwas Text, tut wahrscheinlich so, als würde er lesen.
»Ficken? Was sind das für Wörter?«
»Jaja, ich weiß, aber in der Geschichte geht es um einen Ausländer, einen Hauptschüler. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich bin mit Ausländern aufgewachsen und ich bin Hauptschüler. Wir reden nicht von Liebe machen oder so was. Keiner meiner Freunde redet so und ich habe viele Freunde. Deutsche kenne ich nicht so viele, nur von der Arbeit oder von der Uni.«
»Also wäre das Ihre Zielgruppe? Ausländer, Immigranten? Wem wollen Sie das denn verkaufen?«
»Zielgruppe? Es geht doch nicht nur um Ausländer. Es geht um Liebe, tiefe Gefühle und Konflikte, Vorurteile und Ehrlichkeit, Freundschaft und Verrat. Das könnte vielleicht mehr Leute als nur die Ausländer in Deutschland interessieren. Verkaufen? Da bin ich mir noch nicht sicher. Vielleicht über einen Verlag, vielleicht über Amazon. Oder auf Google+ oder Twitter Werbung machen.«
»Google+? Twitter? Ich dachte, das Buch wäre für Kanaken?«
Leute, was denkt ihr eigentlich? Ich rege mich nicht über das Wort Kanake auf, gar nicht. Ich finde es nicht schlimm, so genannt zu werden, ich bin ja einer. Ob ich stolz darauf bin? Ja. Definitiv!
Ich empfinde es nur als verletzend, wenn ihr glaubt, wir hätten kein Google+-Profil, keinen Twitter-Account, hätten nicht mitbekommen, dass es das Internet gibt. Soziale Netzwerke. Smartphones. Hier mal eine Tatsache: Auch Kanaken besitzen Smartphones, auch wir benutzen das Internet. Auch wir haben Gefühle und Träume. Man braucht kein Abitur, um eine gute Geschichte zu erzählen, man muss auch nicht studiert haben. Man muss nur eines getan haben, um ein gutes Buch zu schreiben: Man muss gelebt haben.