Das Licht Deiner Ewigkeit

Nicole Fibel – Das Licht Deiner Ewigkeit

€15.90

Taschenbuch, 490 Seiten
ISBN: 978-3-944648-41-5
Preis: 15,90 Euro  inkl. MwSt., zuzüglich Versand

Produktbeschreibung

Taschenbuch, 490 Seiten
ISBN: 978-3-944648-41-5
Preis: 15,90 Euro

 

Ausgerechnet an ihrem zehnjährigen Beziehungsjubiläum, an dem Julie Sander auf einen Heiratsantrag hofft, trennt sich ihr langjähriger Freund Rolf von ihr. Die sonst so starke Julie erleidet einen Zusammenbruch und beschließt in Folge der Ereignisse, ein völlig neues Leben zu beginnen. Sie zieht von der lärmenden, mit Stress behafteten Großstadt Hallerfurt in die Stille eines abgeschiedenen Häuschens am Waldrand im idyllischen Gebirgsdorf Freudthal.Auf dem Speicher findet Julie Schriften, die aus der Feder der alten Frau Amelie Wagner stammen, die vor Julie ihr Leben hier verbracht hat. Die Briefe sind voll überwallender Mutterliebe an Amelies Sohn Emil gerichtet, von dessen Existenz im Dörfchen Freudthal, wo jeder jeden kennt, allerdings niemand etwas zu wissen scheint. Amelies Weisheiten ziehen Julie völlig in ihren Bann und verändern ihr Leben auf magische Weise. Es verschmilzt mit dem von Amelie Wagner und Julie beginnt den wahren Ursprung eines glücklichen Daseins zu begreifen. Sie  entdeckt  längst begrabene Träume wieder und verschenkt abermals ihr Herz. Doch ihre frisch aufkeimende Liebe nimmt eine dramatische Wendung, denn ihr Traummann trägt verborgene Geheimnisse mit sich.Außerdem begibt sich Julie auf die Suche nach Emil, um herauszufinden, was mit ihm geschehen ist. Dieser verschlungene Pfad verbirgt dunkle wie auch wundersame Überraschungen, die Julie ans Tageslicht bringt.

 

Leseprobe:

Fast andächtig öffnete Julie den obersten Umschlag mit dem ältesten Datum und nahm das elfenbeinfarbene, feine, aber ebenso von Flecken übersäte Papier heraus. Sanft ließ sie ihre Finger über die Zeilen gleiten. Das Papier fühlte sich glatt, weich und gleichzeitig zerbrechlich an. Dann begann sie zu lesen, und mit wenig Mühe gelang es ihr, die leicht verblichenen Buchstaben zu entziffern:

Montag, 1. Juni 1942

Mein lieber Emil,

meiner überwallenden Mutterliebe entsprang die Idee, Botschaften an Dich zu schreiben, mit allem, was ich Dir für Deinen Lebensweg mitgeben möchte. Geschriebene Worte sind Dokumente, die für die Ewigkeit geschaffen sind. Sie begleiten uns, wir können sie jederzeit zur Hand nehmen, darin lesen, träumen und uns unseren Gefühlen hingeben.
Meinen allerersten Brief widme ich den Augenblicken wahrer Magie, der Zeit, als ich Dich unter meinem Herzen tragen, und Monate später Deinen Weg ins Licht der Welt begleiten durfte.

Ich fühlte den Himmel die Erde wiegen, als Du in mir heranwuchst. Zuerst nahm ich Deine Bewegungen wie zarte Flügelschläge eines Schmetterlings wahr, später streichelten Deine Händchen und Füßchen meine Bauchdecke, und manchmal, wenn Du eine Weile ruhig schlummertest, ließ mich ein verspielter „Mama ich bin wieder wach“-Tritt von Dir glücklich aufschrecken. Du erinnertest mich zärtlich daran, dass wertvollstes Leben als das unermesslichste Geschenk des Schöpfers in mir wuchs.

Ich habe gedacht, das reinste Glück wären Augenblicke wie Sonnenauf- und –untergänge, die Stille, wenn das Tageslicht in die Dunkelheit eintaucht oder die Nacht sich am Morgen in Licht verwandelt. Doch erst seit Dein Vater und Du mein Leben berührt habt und ich magische Momente mit Euch teilen durfte, weiß ich, was es heißt, wenn innige Liebe und pures Glück sich vereinen. Es ist das Gefühl, als würden Erde und Himmel sich küssen, als würden Ergüsse von Glückseligkeit aus einer ewigen Quelle meine Seele durchströmen.

Du hast mich außerdem gelehrt, dass Mutterliebe heißt, aus einem unversiegbaren Ozean der Liebe zu schöpfen, sich von dem seelenruhigen Wasser tragen zu lassen, aber auch die tobenden Wellen zu spüren, wenn etwa Angst und Sorgen um Dich mein Herz fast zerspringen lassen und mir schlaflose Nächte bescheren.
Deine Geburt war das unglaublichste, unbegreiflichste Wunder, das sich nicht in Worte fassen lässt, und trotzdem will ich versuchen, es festzuhalten, um Dir die Magie des Lebens näher zu bringen.

Heute vor einem Monat, am Freitag, den 1. Mai 1942 um 14:15 Uhr hast Du an dem schönsten Frühlingstag, den man sich vorstellen kann, das Licht der Welt erblickt. Du wogst zarte 2915 g und warst 48 cm lang.
Die Erde um mich spross und gedieh, die Blumen und Bäume neigten vor Stolz ihre Blütenpracht, während die Vögel ihre lebensfrohen Melodien in die Welt hinaustrugen. Die Essenz der Natur war nach einem langen frostigen Winter zu neuem Leben erwacht. Eine sanfte Frühlingsbrise wehte den süßen Duft des Flieders durch das angelehnte Fenster ins Zimmer und brachte den weißen Seidenvorhang zum Tanzen. Die Sonne ließ ihre Strahlen zwischen den prallen Blüten des Kirschenbaumes in Dein Gesicht fallen, während ich Dich nach einer
einundzwanzig Stunden langen Geburt schweißgebadet in meinen Armen hielt. Dich an meinem Herzen zu wiegen, war mir vertrauter, als meinen eigenen Atem zu spüren. Ich vernahm engelsgleiche Musik, fühlte eine Wonne von Liebe um uns und unglaubliche Dankbarkeit durchflutete mich.

Du warst das schönste Baby der Welt, so winzig und doch in seiner ganzen Vollkommenheit. Jeder Finger, jede Zehe waren an ihrem Platz, alles nach göttlichem Plan. Mit Deinen tiefblauen Augen hast Du fragend in die Welt geblinzelt und Deine Händchen neugierig nach dem Leben ausgestreckt. Ich streichelte über Deine feinen, flauschigen, blonden Haare und atmete Deinen Geruch nach warmer Geborgenheit ein, während ich Dein Gesicht mit meinen innigen Küssen übersäte.
Stolz entdeckte ich über Deinem Bauchnabel mein an Dich vererbtes Muttermal, gemalt auf Deine makellose Haut, die sich weicher anfühlte als Samt.

Als ich Dich mit dem Lied „Schlaf, Kindlein, schlaf“ in den Schlummer wiegte, hast Du mir Dein erstes Engelslächeln ge-
schenkt – Du hast Dich damit für immer in mein Herz gelächelt. Ich war verliebt, und plötzlich begriff ich einen wichtigen Sinn meines Daseins: Dir das Leben zu schenken, Dich zu lieben, Dich zu halten.

In Liebe
Mama