Maxim

Gabriel P. Henry – Maxim – Vorbestellung

€8.90

Taschenbuch, 164 Seiten
ISBN: 978-3-944648-38-5
Preis: 8,90 Euro  inkl. MwSt., zuzüglich Versand

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Produktbeschreibung

Taschenbuch, 164 Seiten
ISBN: 978-3-944648-38-5
Preis: 8,90 Euro  inkl. MwSt., zuzüglich Versand

„Sieben Tage sind vergangen, seitdem ich mir das Leben nahm. Sieben Tage, die schlimmer waren als alles, was ich mir zuvor hätte ausmalen können.”
Der vierzehnjährige Maxim wuchs in behüteten Verhältnissen einer liebevollen, kleinen Familie und mit vielen Freunden auf. Doch genau die Menschen, denen er am Herzen liegt, stürzt er in tiefste Trauer und verständnislose Wut.
An einem ruhigen Sonntag nimmt er sich das Leben, tot scheint er aber auch nicht zu sein. Maxim durchlebt in einem geisterhaften Zustand die Tage nach seinem Ableben und beginnt im Angesicht des Schmerzes, den er anderen antat, seine Tat zu hinterfragen. Warum musste er überhaupt diesen Schritt gehen?
Was bringt einen jungen Menschen dazu, jeglichen Mut und Hoffnung zu verlieren? Zwischen Vorstadtidylle, einer aufgebrachten Schulklasse, der Verzweiflung seiner Eltern und der eigenen Beerdigung versucht der Jugendliche zu begreifen, was mit ihm, seinen geliebten Menschen und vor allem seinem Geist passiert.
Eine emotionale Erzählung aus der Sicht eines toten Jungen, die so traurig wie auch gesellschaftskritisch ist. „Maxim” wirft viele Fragen über unser Dasein, den Sinn des Lebens und den Dingen,
die wir den Kindern dieser Welt auf ihren Weg mitgeben, auf.

Leseprobe 1:

“Ich weiß nicht, welchen Weg ich noch gehen soll. Doch nun hocke ich hier auf dem dreckigen Boden, zusammengekauert in meiner Verzweiflung. Die Finsternis droht mich zu erschlagen und ich fühle, wie es mich langsam zerfrisst. Über mir die dunklen Wolken ohne einen Lichtblick. Ich habe mich in diesem Labyrinth verrannt und finde kein Ende. Diese grauen Mauern, an denen sich dicht der Efeu hinaufschlängelt, scheinen unendlich. So unendlich wie die Zeit, in der ich planlos und beinahe blind von den Tränen, die in meinen Augen brannten, durch sie hindurch irrte.
Wie sehr ich mir wünsche, mich niemals auf diese Reise begeben zu haben. Wütend schlage ich mit meiner Faust auf den Boden und weine. Ich sauge die Luft ein und weiß nicht weiter. Der Weg gabelt sich, doch ich bin zu schwach, um weiterzulaufen. Ich kann einfach nicht mehr. All dieser Schmerz fühlt sich so irdisch und real an. Sollte er das? Wie kann ich Schmerzen haben, wenn ich nicht mehr lebe? Was habe ich getan?
Sieben Tage sind vergangen, seitdem ich mir das Leben nahm. Sieben Tage, die schlimmer waren als alles, was ich mir zuvor hätte ausmalen können. Nichts von den Dingen, die auf der Welt geschahen, hätte brutaler sein können. Doch nun bin ich kein Teil mehr von ihr.”

 

Leseprobe 2:

»Tut mir leid, dass ich Sie kurz störe, aber ich muss mit der Klasse reden.«
»Worum geht es?«, fragte Frau DiFranco und lehnte sich gegen die Fensterbank, wo ihr die Sonne in den Rücken schien.
»Es geht um euren Mitschüler Maxim«, sprach er, seine Stimme war ganz rau und ruhig.
Ich sah, wie sich Leo aufrichtete und seine Hände sich verkrampften. Hektisch sog er die Luft ein, scheinbar hatte er einen Kloß im Hals. Ihm war förmlich anzuse-hen, wie ihm vor Sorge fast das Herz stehen blieb. Ich presste meine Lippen zusammen und schluckte.
»Maxim …«, der Direktor zögerte. »Maxim wird nicht mehr in eure Klasse kommen.«
Ein Moment der Stille herrschte im Raum.
»Er hat sich gestern das Leben genommen.«
Die Stimme des Mannes kippte und Tränen füllten seine Augen. Frau DiFranco gab einen Schreckenslaut von sich und schlug sich, wie fast alle Klassenkameraden, schockiert die Hand auf die Lippen. Mein Blick wanderte über die Gesichter und ich sah den Schrecken in ihren Augen. Einige füllten sich mit Tränen, manche Schüler und Schülerinnen fingen richtig an zu weinen. Als ich sah, wie Leo erst erstarrte, sich sein Gesicht dann jedoch gequält verzog und sein Kopf auf die Tischplatte fiel,  verspürte ich großen Schmerz. Tränen traten aus seinen Augen und rannen über seine Wangen. Auch ich fing an zu weinen und zu schluchzen. Mein Körper verkrampfte sich.
»Es tut mir so leid, Leo«, murmelte ich weinerlich vor mich hin. Ich wollte die Schritte auf ihn zu machen und ihn in den Arm nehmen, konnte es aber nicht. Er fehlte mir. Obwohl es so schien, als sei ich ganz nah, spürte ich eine Entfernung, die unüberwindbar war. Mit heftigen Lauten kamen würgende Töne aus Leos Hals. Panisch sprang er auf und warf dabei seinen Stuhl zu Boden. Er rannte hinaus aus dem Klassenzimmer in den Flur. Ich folgte ihm. Bei jedem seiner Schritte drohten seine wackeligen Beine und die weichen Knie nachzugeben, sodass er womöglich zu Boden stürzen würde. Er stolperte den Gang entlang bis zur gläsernen Eingangstür, die er aufriss, sprang dann die Treppenstufen hinunter und ging auf der Wiese vor der Schule in die Knie. Von den Stufen aus sah ich ihn an. Mit seinen Armen stemmte er sich ins Gras und weinte.
»Oh mein Gott«, schluchzte er. Zwischen seinen Lippen bildeten sich Speichelfäden und seine Augen waren knallrot, während die Tränen aus ihnen herausströmten.   Ich packte mir ans Herz, denn es stach. Es fühlte sich an, als würde es zerbrechen. Ich lief auf Leo zu und blieb dicht vor ihm stehen.
»Leo!«, schrie ich. »Leo! Hör auf! Bitte!«
Mein Hals tat weh und meine Stimme war ganz heiser, so laut hatte ich geschrien. Doch er reagierte nicht. Während ich ihn immer weiter anbrüllte, zogen jedoch wieder diese Windböen auf. Sie durchfuhren die Blätter der Eiche, die direkt über unseren Köpfen stand und ließen Leos kariertes Hemd flattern.
»Bitte, Leo.«
Auch ich ging in die Knie.
Was habe ich nur getan?, fuhr es mir durch den Kopf. Ich krallte mich an den Grasbüscheln fest und riss versehentlich einzelne Halme heraus, als ich meine Arme anspannte. Sie glitten mir, vom Wind getragen, aus der Hand und verteilten sich auf der Wiese und dem stei-nernen Weg neben ihr. Ich fuhr mir durch die Haare und griff dann die Reißverschlüsse meiner offenen Sweatjacke. Bitte, lass das hier aufhören, bettelte ich innerlich. Beende das doch bitte!
Ich weiß nicht, wen ich anflehte. Vermutlich waren diese Worte an Gott gerichtet, in der Hoffnung, dass es einen geben würde, der mich von dieser Qual erlösen könnte. Doch das passierte nicht.
»Wie konntest du das tun, Maxim? Warum?«, schluchzte Leo und jedes seiner Worte kam einem schmerzenden Stich in meinem Herzen gleich.
Mit offenem Mund sah ich auf und bemerkte, wie zwei Mitschülerinnen aus der Schule heraus nach draußen rann-
ten. Eine rundliche mit Brille und eine dünne, hübsche mit langen, blonden Haaren. Sie knieten sich neben Leo und packten ihn an den Schultern. Tröstend sprachen sie auf ihn ein, doch sie selbst waren ebenfalls am Weinen. Mit ihrer Hilfe raffte er sich von der Erde auf. Er zitterte am ganzen Leib. Ich sah ihnen noch hinterher, als sie langsam zurück in das Schulgebäude schritten. Ich stemmte meine Arme in den Boden und erhob mich ebenfalls aus dem Gras. Meine Hände verschränkte ich hinter dem Kopf.